Aufruf des Autonomen Zentrums gegen Pro Köln

FÜR EIN SOLIDARISCHES KALK MIT AUTONOMEN STADTTEILZENTRUM
GEGEN RASSISTISCHE HETZE UND AUTORITÄRE VERTREIBUNGSPOLITIK

Das Autonome Zentrum (AZ) in der Wiersbergstraße 44 nahe Kalk Kapelle existiert mittlerweile seit anderthalb Jahren als selbstverwalteter Ort für unkommerzielle Kunst, Kultur und parteiunabhängige Politik. Es entstand durch die Besetzung der seit vielen Jahren leergestandenen, ehemaligen Kantine der Klöckner-Humboldt-Deutz-Werke. Nachdem es zunächst keine Gesprächsbereitschaft seitens der Eigentümerin Sparkasse Köln­Bonn gab und Anfang April 2011 versucht wurde das Gebäude polizeilich zu räumen, gibt es nun einen legalen Nutzungsver­trag. Im AZ gab es bisher weit über 1.000 Veranstaltungen mit mehreren 10.000 Besucher_innen. Es gibt Workshops, Theater, Lesungen, Politveranstaltungen, Kino, Konzerte, Partys, Sport, Kneipe, Kunst und vieles mehr. Nicht zuletzt bietet das AZ Platz für Proberäume, Gruppenräume, Ateliers und Werkstätten.

Die Nutzer_innen des AZ entscheiden selbst über die Organi­sation und Gestaltung nach dem Konsens-Prinzip, so dass bei Konflikten Lösungen gefunden werden, mit denen alle leben können. Dabei bemühen wir uns seit dem ersten Tag auch um einen Dialog mit unseren Nachbar_innen, um die Interessen der Anwohner_innen in der Wiersbergstraße zu berücksichtigen.

Um so mehr ärgert es uns, dass sich ausgerechnet die rechte Partei Pro Köln nun als Interessensvertretung der Anwohner_innen aufspielt, indem sie am 19. November zu einer Demonst­ration gegen das Autonome Zentrum aufruft. In einem Flugblatt listet Pro Köln so teilweise berechtigten Beschwerden von An­wohner_innen auf (insbesondere wegen Lärm durch Party- und Konzertbesucher_innen an Wochenenden) bunt zusammenge­würfelt mit allgemeinen urbanen Phänomenen (wie Graffitis), Falschbehauptungen (»rechtsfreier Raum«, »illegal« etc.) absur­den Unterstellungen (»Kleinkriminalität in den Seitenstraßen«) und schlicht Lügen (»Vermüllung«, »Terror«).

Pro Köln hat seinen Ursprung in der neofaschistischen Sze­ne Kölns und ging aus der Partei Deutschen Liga für Volk und Heimat (DLVH) hervor. Seitdem versuchen sie ihre rassistische und menschenverachtende Ideologie mit einem bürgerlichen Erscheinungsbild auszustatten, um damit im konservativen, rechtsoffenen Lager auf Stimmenfang zu gehen. Dieser An­sammlung von Neonazis und Rassist_innen passt die Existenz eines autonomen Stadtteilzentrums natürlich überhaupt nicht in ihr Weltbild. Sie stilisieren das Autonome Zentrum im Inter­net zu einem Hort »linksextremen Terrors« und bemühen gar den Vergleich mit einer »neuen RAF«. In NRW bewerben sie den geplanten Aufmarsch am 19. November durch Kalk schlicht als »Großdemo gegen Links«.

Auch wenn es berechtigte Beschwerden über Besucher_innen des Autonome Zentrum geben mag, so sind diese Probleme weder zu verallgemeinern noch unlösbar. Die Offensive gegen das AZ ist nicht zuletzt eine nützliche Ablenkung davon, dass die Politik keinerlei Konzepte hat, um den eigentlichen Problemen der Menschen in Kalk,wie beispielsweise der hohen Armut, Ar­beitslosigkeit und den steigenden Mieten, zu begegnen.

Für viele Menschen in Kalk und ganz Köln ist das AZ ein Ort, an dem sie – unabhängig von ihrem Geldbeutel –Veranstaltungen machen können, Kunst herstellen und Konzerte und Parties besuchen können, politische The­men diskutieren und sich selbst organisieren.

AM 19. NOVEMBER RUFEN WIR UND VIELE ANDERE INITIATIVEN IN KALK UND KÖLN ZU PROTESTEN GEGEN DEN PRO KÖLN AUFMARSCH AUF. STELLEN WIR UNS GEMEINSAM DEN RASSIST_INNEN IN DEN WEG UM ZU ZEIGEN, DASS WIR EIN SOLIDARISCHES, BUNTES UND TOLERANTES KALK WOLLEN IN DEM VIELE UNTERSCHIEDLICHE MENSCHEN PLATZ HABEN.

Quelle: unsersquat.blogsport.eu